Der Podcast

»Ich will echte Gespräche führen«

Yves im Selbstinterview über seine Zeit bei Schalke 04, das Duell mit Ronaldo und über seine Motivation, einen eigenen Podcast zu starten.

Yves, jetzt kommst auch Du mit einem Podcast. Macht das im Moment nicht irgendwie jeder?

Mag sein. Podcasts sind das Medium der Stunde. Ich möchte aber nichts schnell Konsumierbares machen, kein Fast Food für die Ohren, wovon es derzeit offensichtlich eine Menge gibt. Mich interessiert die Tiefe, die dieses Format ermöglicht. Ich will echte Gespräche führen, in denen man auch mal links und rechts abbiegt, bevor es wieder auf die Hauptstraße geht.

Und so etwas gibt es Deiner Meinung nach zu wenig?

Ich bin immer wieder erstaunt, mitunter auch geradezu erschrocken, wie zugespitzt und letztlich banalisiert Gespräche wiedergegeben werden. Zuletzt habe ich einige längere Interviews zum Thema Schalke gegeben, und dann musste ich Headlines lesen wie: „Eigenrauch rechnet mit Ex-Klub ab“. Das ist aber gar nicht der Fall gewesen. Ich rechne nicht ab – und schon gar nicht mit Schalke. Es ging mir um allgemeine Entwicklungen im Fußball, der sich immer weiter von der Basis, nämlich den Fans entfernt. Mit meinem Podcast möchte ich raus aus dieser Schlagzeilenwelt und die Dinge differenzierter betrachten.

Machst Du einen Podcast über Fußball? Damit kennst Du dich doch wenigstens aus.

Nee, ich bin kein Experte. Ich habe als Spieler Erfahrungen gemacht, das schon. Aber ich bin keiner dieser Analysten, die erklären wollen, wann man die diametral abkippende Sechs auflösen sollte. Das ist nicht meine Welt. Fußball kommt in meinem Podcast schon vor – aber mit Geschichten über Menschen. Taktik-Nerds muss ich da enttäuschen.

Du hast den Podcast im Dezember 2020 gestartet. Was hast Du davor gemacht?

Nach meinem Karriereende bin ich zunächst bei Schalke 04 geblieben und war im Veranstaltungsbereich der Arena tätig. Danach habe ich die Pressearbeit eines Kinder- und Jugendtheaters in Gelsenkirchen geleitet. Das war eine schöne und auch prägende Zeit. Später habe ich im Vertrieb eines Kunstrasen-Unternehmens gearbeitet, dann in einem Callcenter (Inbound) für eine große Baumarkt-Kette und zuletzt im Bereich der Licht- und Werbetechnik. Da stand ich an der CNC-Fräse und war auch mit auf Montage, wenn Leuchtreklamen installiert wurden.

Klingt nach einem wilden Ritt durch die Berufswelt.

Ich finde es toll, das alles erleben zu dürfen. Es gab auch eine längere Phase, da habe mich um meine Kinder und den Haushalt gekümmert. Für mich war früh klar: Ich will Erfahrungen sammeln jenseits der Fußballwelt.

Warum bist Du nicht im Fußball geblieben? Trainer, Manager, Funktionär – da sollte doch etwas gehen für dich. Machen doch so viele andere ehemalige Profis auch.

Es war für mich noch nie ein Maßstab, was viele machen. Einfach nur mitzumachen, das entspricht nicht meinem Verständnis.

Na komm, wenn Du ein bisschen geschmeidiger wärst und nicht so ein Querkopf, hättest Du jetzt einen tollen Job im Fußball mit tollem Titel.

Ich bin kein Querkopp. Ich habe mir im Gegensatz zu manch anderem lediglich meine Ideale bewahren können. Mir ist der Profisport inzwischen suspekt geworden. Ich mag Fußball, aber ich mag nicht die Käseglocke, die ihn heute umgibt.

Jetzt willst Du doch nicht sagen: Früher war alles besser.

Nein, natürlich nicht. Es war nicht besser, aber es war anders. Zu meiner Zeit als Profi in den 90-er Jahren war der Fußball auf jeden Fall nahbarer, erdiger und auch ein Stück ehrlicher und direkter. Zumindest bei Schalke 04.

Wie ist das eigentlich heute? Hast Du heute deine Ruhe – oder wirst Du noch immer auf der Straße erkannt?

Das kommt manchmal noch vor. Wobei „Ruhe“ vielleicht missverständlich ist. Ich wollte nie völlige Ruhe haben, sondern fand es früher halt einfach belastend, wenn ich in fast jeder Situation damit rechnen musste, erkannt zu werden. Egal ob im Freibad, im Café, im Theater, in der Bahn oder wo auch immer. Der markante Kopf trug da sein Übriges zu bei.

Und wie reagieren die Menschen heute auf Dich?

Meist positiv und freundlich. Ich bin wohl auf immer und ewig einer der Eurofighter, die 1997 den Uefa-Cup geholt haben. Und ich bin derjenige, der ein Jahr später Ronaldo ausgeschaltet hat. Das sind die Etiketten, die mir vor mehr als zwanzig Jahren auf die Stirn geklebt wurden. Wobei das Etikett „Ronaldo“ offenbar deutlich größer ausfällt als das des Uefa-Cup-Sieges. Is aber okay für mich.